Ertragswertmethode als Annäherungsrechnung

 

Zukünftiger Ertrag über Diskontsatz

Im Gegensatz zur Berechnung des Substanzwerts wird der Ertragswertmethode eine wesentliche Bedeutung als Zukunftswert beigemessen. Diese Variante setzt voraus, dass die Aktiven des Unternehmens künftig Erträge generieren, die wiederum kapitalisiert werden und auf diese Weise den Ertragswert ergeben.

Dieser berechnet sich aus der einfachen Formel “Nachhaltig erzielbarer zukünftiger Gewinn / Diskontsatz”.

 


 

Bewertung in zwei Schritten

Die Bewertung selbst wird in zwei Schritte unterteilt:

  • Berechnung (bzw. Schätzung) des künftig nachhaltig erzielbaren Jahresgewinns (tatsächlich erzielter durchschnittlicher Gewinn)
  • Division durch den Diskontsatz

Die Schätzung der zukünftigen Gewinne basiert üblicherweise auf dem bereinigten Jahresdurchschnitt der letzten drei Jahresergebnisse. Dabei werden betriebsfremde, periodenfremde und ausserordentliche Ereignisse herausgerechnet (zudem wird der Unternehmerlohn den Marktverhältnissen angepasst).

 


 

Berechnung des Diskontsatzes

Der Diskontsatz setzt sich aus den folgenden Elementen zusammen:

  • Risikofreier Zinssatz (in der Regel der Basiszinssatz für Bundesobligationen) von derzeit -0,28 %
  • Zuschlag für Immobilität von 2 – 3 %
  • Abzug für Inflationsschutz von 2,5 %
  • Risikozuschlag von 5 – 9 %

 


 

Relative Bedeutung

Doch ebenso wenig wie der Substanzwert ist auch der Ertragswert, für sich alleine genommen, eine verlässliche Grösse. Dazu sind drei Gründe ausschlaggebend:

  • Die einfache Ertragswertmethode ist problematisch, da die Abschreibungen nicht mit den Geldflüssen der Investitionen übereinstimmen. Investitionen werden in der Regel unregelmässig vorgenommen, wohingegen Abschreibungsbeträge jedes Jahr verbucht werden. Da beide unterschiedliche Zeitwerte des Geldes aufweisen, werden sie auch in kumulierter Form nicht gleich hoch sein.
  • Zudem steht die Frage im Raum, wie die Erträge kapitalisiert werden. Üblicherweise wird der risikofreie Zinssatz hinzugezogen. Ergänzt wird dieser durch individuelle Risikokfaktoren. Diese Ergänzungen sind jedoch zufällig und daher wenig verlässlich.
  • Im Weiteren spielen die unterschiedlichen Rechnungslegungsstandards eine Rolle. Je nach Vorgehensweise beeinflussen die Bildung oder die Auflösung von Reserven, die Rückstellungen oder Änderungen bei den Abschreibungen die ausgewiesenen Gewinne.

Trotz dieser Anmerkungen stellt der Ertragswert jedoch eine wichtige erste Beurteilungsgrösse dar.

 


 

Vorteile

  • Die Methode bedingt explizite Annahmen zur Ausschüttungspolitik
  • Die Bewertung basiert auf einem periodengerechten Value Added

Nachteile

  • Bezüglich Vergleichbarkeit und Konsistenz ist sie gegenüber Verzerrungen in der Rechnungslegung anfällig
  • Der unsichere und sensitive Restwert macht einen Grossteil des Unternehmenswerts aus und beeinflusst daher das Ergebnis überproportional


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