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Eigene Spuren hinterlassen

Publiziert von André Pahud am 5. Januar 2018 unter Nachfolge

 

 

 

 

Wir tun gut daran, uns gelegentlich zu fragen, weshalb wir als Unternehmer so erfolgreich waren. Vielleicht hatte es auch damit zu tun, dass wir unsere eigenen, unverwechselbaren Spuren hinterlassen haben.

 

Die Suche nach dem idealen Nachfolger

„Wer in die Fussstapfen anderer tritt, hinterlässt keine eigenen Spuren“, erkannte Wilhelm Busch. Dem stimmen wir fraglos zu. Immerhin waren viele Unternehmer nur deshalb so erfolgreich, weil sie auf ihre Stimme hörten, sich als Unternehmer verwirklichten und den eigenen Weg – ihren Weg – gegangen sind.

Doch auch der zweigt irgendwann ab. Wer soll nun das, was ihnen immer so wichtig war, fortführen? Wer kommt als Kronprinz oder als Kronzprinzessin infrage, und was prädestiniert sie oder ihn dafür?

Natürlich müsste mir, sagt sich so mancher erfolgreiche Unternehmer, der Nachfolger oder die Nachfolgerin ähnlich sein. Und so machen sie sich auf die Suche nach dem neuen Chef oder der neuen Chefin. Was sie finden, wird zwar kaum dem idealen Nachfolger entsprechen; aber man ist ja kompromissbereit – in einem eng gezogenen Rahmen, jedenfalls.

Es geht um Verantwortung

Denn immerhin geht es um viel Verantwortung, letztlich auch um Macht, Prestige und wertvolle Beziehungen – und, last, but not least, um das Ansehen als Unternehmer. Von ihrer Entscheidung nämlich hängt es weitgehend ab, wie sie bei Geschäftspartnern und Mitarbeitern in Erinnerung bleiben werden: War die Wahl des Nachfolgers oder der Nachfolgerin weitsichtig und weise und zeigte sie Menschenkenntnis?

Haben sie sicheres Gespür bewiesen und die Weichen richtig gestellt? Schliesslich sollen die tragende Idee des Unternehmens, die zentralen persönlichen Werte, die überzeugenden Erfolge und die eigene Vision in die nächste Unternehmensgeneration getragen werden.

Das Lebenswerk – ihr Lebenswerk – muss bestehen bleiben, versteht sich. Da gibt es wenig Raum für fremde Gedanken und alternative Richtungen. Zudem mutete es einigermassen frivol an zu versuchen, die bewährten Bahnen zu verlassen. Die Spur ist nun mal vorgegeben, davon abzuweichen wäre weder opportun noch intelligent. So stossen Ideen zu innovativen Produktionsmethoden, neuartigen Geschäftsmodellen oder nonkonformen Führungsansätzen auf minimale Gegenliebe.

Man kann niemanden überholen, wenn man in dessen Fussstapfen tritt

Schliesslich waren die letzten dreissig Jahre ausserordentlich erfolgreich. Weshalb sollte man jetzt sowohl das Unternehmen aus der Hand als auch die Kontrolle aufgeben sowie dazu noch den Nachfolger ermuntern, eigene Wege auszuprobieren? Ziemlich verwirrende Gedanken.

Und dennoch wird es nötig sein, die Nachfolgerin oder den Nachfolger „von der Leine zu lassen“, sie zu ermutigen, neue Möglichkeiten zu suchen und ihre Energie, ihre eigenen Ideen und ihre sehr persönlichen Erfahrungen, die durchaus von bisherigen Leitlinien abweichen können, einzubringen.

Die Neuen werden zwar eigene Ziele verfolgen und individuell überlegen, wie das Unternehmen in die Zukunft geführt werden kann. Aber sie werden ihren Weg finden, sich engagieren, ebenfalls erfolgreich sein und den Betrieb neu formen.

Und irgendwann, vielleicht in zwanzig oder dreissig Jahren, werden sie selbst vor der Frage stehen, wer von nun an das Unternehmen fortführen soll, eines, das inzwischen noch gefestigter, stärker, agiler und erfolgreicher ist als damals.

Gut möglich, dass sie sich dann zurückerinnern und ihren eigenen Nachfolgern die Worte von François Truffaut mit auf den Weg geben werden: „Man kann niemanden überholen, wenn man in dessen Fussstapfen tritt.“

 

 

 

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