Blog

Familienunternehmen und Private Equity

Publiziert von André Pahud am 27. August 2017 unter Private Equity

Corporate Finance

Weshalb sollte eine Familienunternehmen auch die Variante „Private Equity“ ins Auge fassen? Sind die beiden Geschäftsprinzipien überhaupt kompatibel?

 

Familienunternehmen und Private Equity: Eine Liebesbeziehung?

Kaum. Eher eine Vernunftehe. Die vordergründig divergierenden Interessen zeigen sich nämlich bereits an den bekannten Etiketten: Private Equity-Investoren suchen offenbar nur den kurzfristigen Erfolg. Sie gelten als Heuschrecken. Und sie besitzen kaum unternehmerisches Verständnis.

Damit liegen Private Equity-Investoren exakt am anderen Ende einer Werteskala, die nach allgemeinem Verständnis für Familienunternehmen steht: langfristige Ausrichtung, die Aktien bleiben in der Familie, ausgeprägte unternehmerische Verantwortung.

Doch es lohnt sich, Private Equity näher anzuschauen

Obwohl sich die Branche früher häufig kritische Voten anhören musste, lohnt es sich, die Beteiligung durch Private Equity-Fonds etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Ihr Einsatz ist vor allem dann sinnvoll, wenn das organische Wachstum unterstützt, Konkurrenten übernommen, die eigenen Mittel gestärkt oder – und dies dürfte künftig vermehrt der Fall sein – die Unternehmensnachfolge finanziert werden soll.

Speziell hier kann es hilfreich sein, nach Finanzierungslösungen zu suchen, die nicht per se auf der Hand liegen. Fällt die Wahl auf einen Private Equity-Investor, sind jedoch einige Dinge zu beachten.

Der finanzielle Einstieg eines Investors ist in jedem Fall mit einem bedeutenden Einfluss verbunden. So bestimmt er die Strategie mit oder möchte zumindest, da er mit seinem Investment ein erhebliches finanzielles Risiko eingeht, regelmässig und ausführlich über den Geschäftsgang ins Bild gesetzt werden.

… und möglichst frühzeitig aufeinander zuzugehen

Beiden Seiten müsste also schon früh klar sein, was sie sich vom Investment versprechen. Dazu zählen ganz grundsätzliche Überlegungen: Wo liegen die Chancen? Von welchen Risiken müssen wir prinzipiell ausgehen? Welche Regeln und Kriterien sollen gelten?

Ebenso wichtig ist die Frage, wie die enge finanzielle und strategische Zusammenarbeit im Detail auszusehen hat. Eine anstrengende und zeitweise auch etwas mühsame Phase – für beide Seiten.

Wenn aber diesen und ähnlichen Fragen zu wenig Beachtung geschenkt wird, sind die Probleme vorprogrammiert: Dann fehlen die gemeinsamen Vorstellungen zur Strategie, zu den Zielen oder beispielsweise dazu, wie der Jahresgewinn verwendet werden soll. Die Folgen sind aller Regel schmerzhaft.

Zwar in unterschiedlichen Welten, aber mit gemeinsamen Zielen

Dennoch können Unternehmer von den Erfahrungen guter Finanzinvestoren gleich in mehrerer Hinsicht profitieren. Zum einen sind sie nebst ihrer eigentlichen Aufgabe als Finanzierer oftmals wertvolle Sparringpartner. Und zum andern verfügen sie idealerweise über ein grosses Netzwerk, das letztlich wiederum dem Unternehmen zugute kommt.

Aber eines muss beiden Seiten von Beginn weg klar sein: Finanzinvestoren und Familienunternehmer leben schon von ihrer Herkunft und primären Zielsetzung her in unterschiedlichen Welten. Doch vielleicht entwickelt sich mit der Zeit und durch die gemeinsam erzielten Ergebnisse sogar so etwas wie gegenseitige Zuneigung.