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Nach mir die Sintflut?

Publiziert von André Pahud am 18. Juli 2018 unter Unternehmensverkauf

 

 

Nach mir die Sintflut?

 

 

Eine fiktive Geschichte zwar, aber eine, die sich durchaus so zugetragen haben könnte.

 

Ein Albtraum

Seit vierzig Jahren ist er im Geschäft. In dieser Zeit hat er Unternehmen aufgebaut, unrentable verkauft, geschickter als andere in moderne Anlagen und neue Produktionsabläufe investiert und sich inzwischen als erfolgreicher Unternehmer etabliert.

Doch seit einiger Zeit läuft es nicht mehr so, wie er es bislang gewohnt war. Nachts schläft er kaum, tagsüber fühlt er sich ziellos und ausgelaugt. Zudem reagiert er zunehmend unwirsch auf sein privates und geschäftliches Umfeld, was ihm schon den einen oder anderen verbalen Schlagabtausch eingetragen hat.

In den wenigen Stunden, in denen er im Halbschlaf wegdriftet, quälen ihn bizarre Albträume: Leck geschlagene und durch die schwere See schlingernde Supertanker, haushohe Monsterwellen und verzweifelte Crewmitglieder.

 

Nacht für Nacht dieselbe Sequenz

Und niemand unternimmt etwas. Keiner geht nach vorn, lässt die Schwimmwesten festzurren und die Rettungsboote wassern. Niemand setzt Notsignale ab. Alle starren bloss auf ihn, den eisgrauen Kapitän, und warten auf seine Reaktion – oder doch wenigstens auf ein Lebenszeichen, das ihnen Mut machen soll.

Nacht für Nacht dieselbe Sequenz. Tags darauf jedoch hat er alles im Griff, weist die irritierenden Gedanken an die nächtlichen Schreckensbilder weit von sich und greift auf seine Erfahrung als erfolgreicher Unternehmer zurück.

Doch gleichzeitig arbeitet sein Unterbewusstsein auf Hochtouren. Und ständig dringen unangenehme Fragen an die Oberfläche:

  • Was geschieht, wenn ich nicht mehr da bin?
  • Wer führt die Unternehmen weiter?
  • Wem kann ich noch vertrauen?
  • Wer steht zu mir?
  • Was mache ich, wenn ich plötzlich nicht mehr gebraucht werden sollte?
  • Wie lange kann ich eigentlich den ganz grossen Entscheid, meine Unternehmen zu übergeben, noch hinauszögern?
  • Wer soll diese überhaupt übernehmen, und wer ist fähig, mein Nachfolger zu werden?
  • Habe ich den unternehmerischen Notfallkoffer eigentlich gepackt, was gehört da hinein, und wie gehe ich das Ganze an?
  • Was passiert zudem, wenn ich verunfalle, ernsthaft erkranke oder plötzlich sterbe?

Dieses ungewohnte Gefühl, häufig ohnmächtig, manchmal hilflos, oftmals unverstanden und gelegentlich allein zu sein, macht ihm zwar zu schaffen.

 

Nachfolge im Unternehmen als lästiges Gedankenspiel?

Doch dann stehen glücklicherweise das nächste bedeutende Kundenmeeting, die längst fälligen grundsätzlichen Diskussionen mit der Geschäftsleitung und die ungeklärten Fragen rund um das Shopfloor-Management an.

Es gibt schon im Tagesgeschäft so viel zu tun; wie soll da noch Zeit bleiben für all diese lästigen Gedankenspiele? Sollen doch die Nachkommen sehen, wie sie es hinkriegen.

Natürlich, Lebensaufgaben lassen sich auch so lösen. Doch die Gefahr scheint gross, dass aus den haushohen Wellen bald eine veritable Sintflut wird.

 

 

© ap pahud & partner

 

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