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Noch vor seinem Sechzigsten!

Publiziert von André Pahud am 3. Februar 2018 unter Nachfolge

 

 

Für ihn war schon früh klar: Irgendwann kommt die Zeit danach. Jede Investition, jeder Entscheid musste dazu beitragen, das Unternehmen attraktiv zu machen. 

Die eigentliche Übergabe war am Ende nur noch der logische letzte Schritt in einem schon fast perfekt abgestimmten Prozess. 

 

Das grosse unternehmerische Ziel

Eigentlich kaum zu glauben. Und doch: Es war einfach perfekt gelaufen.

Noch vor drei Jahren hätte er daran gezweifelt. Gehofft? Ja, klar. Aber zwischen hoffen und erleben liegen Welten. Denn die Übergabe mit sechzig war seit Jahren eines seiner grossen unternehmerischen Ziele.

Er wollte schon ab Mitte fünfzig noch einiges mehr tun als „nur“ Unternehmer sein. Auf Reisen gehen, zum Beispiel, oder ein Buch über „Unternehmer sein“ schreiben. Vielleicht auch zu segeln beginnen und den Sommer auf dem Mittelmeer geniessen.

Bewusster Entscheid mit 57

Mit 57 dann fällte er bewusst den Entscheid. Zuerst sprach er mit seiner Frau darüber, danach mit seinen Töchtern: Das Unternehmen wird verkauft.

Jemand ausserhalb der Familie soll es übernehmen und fortführen. Keine Familientradition, wie das in Familienunternehmen ja so oft erwartet wird. Alle waren einverstanden, ohne grosse Diskussionen. Dabei war dies ja nicht selbstverständlich.

Vor achtzehn Jahren hatte er mit seiner Frau das Unternehmen gegründet: Einen Kleinstbetrieb, gegen Ende dreissig den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. In den Jahren danach entwickelte sich daraus ein europaweiter Marktführer in einer hoch profitablen Nische in der Maschinenindustrie.

Irgendwann kommt die Zeit danach

Diese Jahre waren prägend, denn sie bestimmten sein privates und berufliches Leben von Grund auf, tagein und tagaus. Gleichzeitig war schon früh klar: Irgendwann kommt die Zeit danach. Jede Investition, jeder Entscheid musste dazu beitragen, das Unternehmen attraktiv zu machen. Wer das Unternehmen einmal übernehmen würde, interessierte zu jenem Zeitpunkt primär nicht. Entscheidend war, dass die Arbeitsplätze und die Marktposition erhalten blieben.

Überhaupt war viel Glück dabei, speziell auch in den letzten Monaten. Ganz offensichtlich hatte er eine gute Nase für die richtigen Leute im Nachfolgeprozess und für seinen Kronfavoriten gehabt.

Viele Gespräche mit potenziellen Nachfolgern

Im Vorfeld hatte er viele Gespräche geführt. Je mehr Anwärter er traf, desto eher kristallisierte sich heraus, wen er keineswegs als Nachfolger haben wollte. Dementsprechend rasch schrumpfte die Zahl der Kandidaten, bis zuletzt noch gerade einer übrig blieb.

Dieser kam zwar ziemlich spät ins Spiel, erwies sich aber als exakt der Richtige. Besser hätte es jedenfalls nicht laufen können. Und als es darum ging, sich über die Zukunft des Unternehmens einig zu werden, überzeugte der künftige Unternehmer gleich noch mit einem ausgereiften Strategiepapier.

Ein schon fast perfekt abgestimmter Nachfolgeprozess

Die technischen Fragen waren danach relativ rasch abgehakt. Steuerlich hatte er sowieso schon früh Vorarbeit geleistet. Die Unternehmensbewertung ging ebenfalls zügig über die Bühne. Auch hier wusste er aus früheren Analysen in etwa, womit zu rechnen war.

Die Finanzierung selbst bereitete ihm dann wirklich keine Sorgen. Sollte der Käufer die Mittel nicht finanziert bekommen (was kaum anzunehmen war), würde er selbst einen grösseren Teil stehen und in drei bis fünf Jahren zurückzahlen lassen – zusammen mit dem zu erwartenden Anteil am künftigen Erfolg.

Die eigentliche Übergabe war danach nur noch der logische letzte Schritt in einem schon fast perfekt abgestimmten Prozess. Er hatte das Unternehmen tatsächlich vor seinem sechzigsten Geburtstag übergeben. Und es hätte, das war ihm bewusst, wahrscheinlich kaum besser laufen können.