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Rechtzeitig loslassen

Publiziert von André Pahud am 12. Mai 2018 unter Nachfolge

 

 

 

 

Die Chancen, dass eine Nachfolgelösung erfolgreich sein wird, steigen erheblich, wenn ein paar wesentliche Kerngedanken beachtet werden.

 

Emotionale Themen spielen eine bedeutende Rolle

Unternehmer stehen vor und während der Übergabe vor einer anspruchsvollen – und teils delikaten – Herausforderung.

Einerseits sollten sie den Lauf der Zeit anerkennen und die Übergabe des Unternehmens technisch und führungsmässig vorbereiten – also die rechtlichen, steuerlichen, finanziellen und personellen Weichen stellen. Auf der andern Seite spielen aber emotionale Themen eine bedeutende Rolle.

In erster Linie sind es die Menschen

Ein Unternehmen besteht eben nicht nur aus Maschinen, Gebäuden, Büros, Fahrzeugen und unzähligen vertraglichen Bindungen.

In erster Linie sind es die Menschen, die den Betrieb und die zentralen Beziehungen zur Firma ausmachen. Mit ihnen werden Erfahrungen und Erinnerungen geteilt.

Und diese wiederum werden geprägt durch gemeinsame Erlebnisse, durch das vereinte Suchen und Finden nach Lösungen, durch Erwartungen, Enttäuschungen und Hoffnungen, durch schmerzhafte Schritte und freudige Begegnungen.

Rechtzeitig und tatsächlich loslassen

All dies hat das Leben im Unternehmen ausgemacht und ihm einen tieferen Sinn gegeben. Doch nun soll das Produkt der eigenen Kraft und Energie, das Ergebnis aus ungezählten Entscheidungen und dem Ringen um die richtigen Lösungen in andere Hände übergeben werden.

Diese „anderen“ werden neu für das Schicksal des Lebenswerks verantwortlich sein, ihre eigenen Entscheide fällen und Ideen umsetzen wollen. Der bisherige Unternehmer wird auf all dies bald keinen Einfluss mehr haben.

Es geht also darum, rechtzeitig und tatsächlich loszulassen.

Chancen auf eine erfolgreiche Nachfolgelösung

Dieser wichtige und zugleich potenziell schmerzhafte Schnitt setzt voraus, dass der Übergeber die einzelnen Phasen sorgsam vorbereitet. Die Chancen, dass eine Nachfolgelösung erfolgreich sein wird, steigen also erheblich, wenn ein paar wesentliche Kerngedanken beachtet werden:

  1. Die Nachfolgelösung ist sinnvollerweise immer Teil der strategischen Unternehmensentwicklung und damit eine feste Grösse in den Strategieprozessen.
  2. Steuerliche, rechtliche und finanzielle Aspekte sind zwar wichtig, doch stellen sie nicht die massgeblichen Pfeiler dar. Es wäre unternehmerisch wahrscheinlich fatal, würde die Nachfolgelösung beispielsweise primär um das Steuer- und Gesellschaftsrecht organisiert werden. Vielmehr sind diese Elemente dazu da, die Unternehmensnachfolge zweckmässig zu unterstützen.
  3. Die Nachfolgelösung sollte bereits lange vor dem künftigen Übergabezeitpunkt konzipiert sein. Zum einen, um bei unvorhersehbaren Ereignissen handlungsfähig zu bleiben, und zum andern, um die Aussichten auf eine künftige Nachfolgesituation intakt zu halten.
  4. In die Überlegung der nötigen Schritte einzubeziehen sind übrigens vor allem die obersten Führungskräfte (und selbstverständlich der mögliche Nachfolger, sofern dieser bereits bekannt ist).
  5. Überträgt der Eigentümer das Unternehmen an den Sohn oder die Tochter, kann das Ganze zusätzlich anspruchsvoll werden. Das eigene Kind sollte nämlich mindestens jene Kriterien für die neue Aufgabe als Unternehmer erfüllen, die auch an qualifizierte Aussenstehende gestellt werden. Jedenfalls wäre es aus Sicht des Betriebs vermutlich kaum ideal, wenn hier zwar gut gemeinte, aber letztlich wenig zielführende Zugeständnisse gemacht würden.
  6. Und nicht zuletzt sollte die Übergabe an den Sohn oder die Tochter (aber auch an einen externen Nachfolger) zügig und konsequent durchgezogen werden.

Denn so kann auch der Unternehmer selbst sich relativ bald wieder anderen Zielen zuwenden, neue Erfahrungen sammeln und das damals so schmerzhafte Loslassen im Rückblick sogar als eine einmalige Lebenschance verstehen.